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“Demenz auf dem Lande”

RĂŒckschau zum Projekt Dorfplatz Demenz

Das Projekt “Dorfplatz - Leben mit Demenz auf dem Lande“ wurde in unserer Region der Samtgemeinde Tarmstedt erfolgreich mit dem Ball der Begegnung abgeschlossen. An dem Projekt waren die Samtgemeinde Tarmstedt mit ihren 12 Ortschaften, die Diakonie-Sozialstation Tarmstedt und Gerontologe Michael Gans als Koordinator beteiligt.  Es wurde von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

Das Projekt bekam den Namen  “Dorfplatz - Demenz auf dem Lande”, da sich die Menschen ursprĂŒnglich auf dem Dorfplatz trafen, um mit einander zu reden, auszutauschen was es Neues gibt, GeschĂ€fte wie Pferdehandel, MarktgeschĂ€fte oder Rechtsprechungen abzuhalten oder Feste zu feiern. Der Dorfplatz war ein Ort der Begegnungen und jeder im Dorf gehörte dazu, ob Jung, Alt, Gesund oder Krank, jeder kannte jeden. 

In der Zeit vom 1. August 2009 bis zum 31. August 2011 wurden verschiedene Informationsveranstaltungen und kulturelle Aktionen zum Thema Leben mit Demenz auf dem Lande durchgefĂŒhrt. 

Somit wurde bei diesem Projekt versucht - von diesem Ursprung „Begegnung“ - einander wahrzu- nehmen und besonders das Bewusstsein fĂŒr die Menschen mit Demenz in unserer Region zu wecken, Hemmnisse, Ängste und Unsicherheiten  zu beseitigen und der Tabuisierung des Themas Demenz entgegenzutreten, um darĂŒber die Scham, die viele Menschen mit Demenz und deren Familien empfinden, aufzulösen. Das PhĂ€nomen Demenz ist kein ausschließlich privates, sondern ein gesellschaftliches Thema und sollte als solches im Bewusstsein aller BĂŒrger sein.  

In den verschiedenen Dörfern (Mitgliedsgemeinden) der Samtgemeinde war das Ziel, ein Netz aus BĂŒrgern sowie Mitgliedern von Vereinen wie Ortsverein DRK, Kirchengemeinden, Landfrauen, SchĂŒtzenvereine, Kulturforum und Organisationen entstehen zu lassen um die LebensqualitĂ€t von Menschen mit Demenz vor Ort und deren Angehöriger zu verbessern.

In den Gemeinden und in Nachbarschaften sollen neue Formen von SolidaritĂ€t und Freundschaft zwischen BĂŒrgern mit und ohne Demenz, wie auch eine vermehrte und verĂ€nderte Nachbarschaftshilfe anregt werden. HierĂŒber soll dem sozialen RĂŒckzug der Betroffenen und deren Familienangehörige entgegengewirkt werden, was zu einer Entlastung dieser fĂŒhrt. Ziel war es, fĂŒr einen besseren Umgang mit dem Thema Demenz zu sorgen. Denn es kann davon ausgegangen werden, dass jeder im Verlauf seines Lebens damit konfrontiert wird: als Betroffener, Angehöriger, Kollege, Freund oder Nachbar.

In diesen 2 Jahren wurde das Thema mit verschiedenen Veranstaltungen bearbeitet und in der Gemeinde und im Bewusstsein der Bevölkerung transparent gemacht.

Zu den Veranstaltungen wurden verschiedene Referenten und Fachleute eingeladen.

Eine Idee war es, aus den 12 verschiedenen Ortschaften eine Person zu finden, die als Ansprechperson koordinierende Aufgaben wahrnehmen könnte. Leider fanden sich niemand, der diese Funktion in seinem Ort wahrnehmen wollte.

 

Es wurden aber ehrenamtliche Begleiter fĂŒr Demenzkranke an 10 Abenden mit verschiedenen Themen zum Thema Demenz geschult. Diese Ehrenamtlichen wurden geschult, um die ambulante Demenzbetreuung in den HĂ€usern zu fördern und Angehörigen eine Auszeit zu geben. Diese Ehrenamtlichen werden noch heute von der Diakoniestation fĂŒr die Demenzbetreuung in den Dörfern und HĂ€usern stundenweise vermittelt.

Unser schon bestehendes „Demenz-CafĂ©“ wurde durch das Projekt gestĂ€rkt. Das Demenz-CafĂ© hat sich als eine Gruppe von ca. 8 - 10 Demenzkranken etabliert und findet alle 14 Tage im Gemeindehaus der Martin-Luther Kirche statt. Es  dient auch der stundenweisen Entlastung fĂŒr die Angehörigen. Ehrenamtliche Frauen und MĂ€nner unter der Leitung einer Altenpflegerin holen die Demenzkranken von zu Hause ab. Man trinkt gemeinsam Kaffee, spielt miteinander - alte bekannte Brettspiele (Mensch Ă€rgere dich nicht) sind der Hit -.  Singen, Basteln, Sitztanz, das Schwungtuch betĂ€tigen oder alte Schlager hören, fördert die Wahrnehmung und weckt Erinnerungen.  

Was ist geblieben?

Leider hat sich das gewĂŒnschte Netzwerk fĂŒr Koordinatoren und Ansprechpersonen in den Dörfern oder bei den politisch Verantwortlichen nicht etabliert. Es hat sich auch kein Kreis gefunden, der sich diesem Thema annehmen wollte. Die politisch Verantwortlichen in unserer Samtgemeinde haben ihre Verantwortung nicht gesehen und wahrgenommen. Aber das Bewusstsein, die Wahrnehmung um unsere demenzkranken Mitbewohner in den Dörfern ist erhöht, verbessert und geblieben. Auch in den verschiedenen Vereinen wie Sportvereine, Singgruppen, Kirchengemeinden hat sich ein anderes Bewusstsein entwickelt und man versucht, Demenzkranke lĂ€nger in der Gruppe einzubinden und zu halten und einen Platz in der Gruppe zu geben. FĂŒr die Zukunft ist es aber wichtig, dieses Thema Demenz auf dem Lande, Demenz in der Nachbarschaft wach zu halten und immer wieder durch verschiedene Veranstaltungen das Bewusstsein fĂŒr Demenzerkrankte zu schĂ€rfen.

Henry Michaelis

Pflegedienstleitung

Weitere Informationen gibt es im Internet unter:
www.aktion-demenz.de
www.bosch-stiftung.de

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